Partnerschaftliehe Zusammenarbeit kann auf vielen Ebenen stattfinden. Gerade das Thema digitale Regalverlängerung beschäftigt viele Einzelhändler und führt immer wieder zu Diskussionen. Gemeinsam mit Gabriele Hobmaier, Wäscheberatung Freiberg am Neckar, wollen wir das Thema beleuchten.

Was verstehen Sie unter digitaler Regalverlängerung?
Es ist der direkte Zugiff auf die Bestände des Lieferanten mit der Möglichkeit, den gewünschten Artikel sofort zu bestellen. So können wir dem Kunden noch im Verkaufsgespräch vor Ort mitteilen, wann er die Ware abholen kann.
Das gäbe uns die Möglichkeit, ähnlich wie der Online-Handel, bei der Endverbraucherin mit Schnelligkeit, Zuverlässigkeit, Service und Konkurrenzfähigkeit zu punkten. Und der Mehrumsatz wäre ebenfalls garantiert.

Wäre das für den Dessous-Handel besonders wichtig?
Ja, denn bei unserem Größen-Spektrum, in dem es von Cup A bis K, oder sogar höher und 65 bis 115 in der Unterbrust geht, spielt der Service eine besondere Rolle.
Der stationäre Handel kann dem Kunden in den Randgrößen kaum ein ausgewogenes Sort1ment bieten – ähnlich ist es bei Bademoden.
Auch das Thema Kapitalbindung bzw. LUG hat 1n diesem Zusammenhang eine Bedeutung. Möchte ein Kunde größere Mengen e1nes Artikels, sind diese meist nicht auf Lager. Hervorragend setzt dieses Thema Hunkemöller um. Ist die entsprechende Größe am Standort nicht verfügbar, wird sie bestellt und mit einer Auswahl von weiteren Artikeln zum Kunden nach Hause geliefert.

Wie sieht die Realität im stationären Handel aus?
Der Mitarbeiter im Verkauf trägt die Kundenbestellung in ein Buch ein. Die Bestellungen gehen einmal pro Woche raus. Die Wartezeit für die Kundin liegt bei circa 14 Tagen Oder aber die Mitarbeiter bestellen die Ware über die B2B-Portale. Das geht zwar schneller, hat aber höhere Fehlerquoten Wird dies täglich gemacht ist die Ware schneller im Haus, sofern lieferbar. Das Problem ist aber: Nicht jeder Lieferant hat e1n B2B-Portal und jeder B2B-Shop ist unterschiedlich aufgebaut, hat logischerweise unterschiedliche Zugangsdaten … Ganz schön kompliziert.
Dazu kommt noch, dass nicht jede Fläche e1nen Internetzugang hat.

Wie würde Ihre Idealvorstellung aussehen?
Was ich mir wünsche ist eine Plattform die …

  • mir die Daten aller Lieferanten zur Verfügung stellt.
  • einfach zu handhaben ist.
  • mir unter dem Stnch jede Menge Ze1t spart.

Diese Plattform gibt es mit Fashion Cloud und deren System Clara, das aber leider nicht alle Lieferanten nutzen.

Wie könnte die Zusammenarbeit mit den Lieferanten aussehen?

  • Ich würde mir von den Lieferanten wünschen, dass sie sich dieser Plattform anschließen, um uns Händlern die Möglichkeit zu geben, so schnell zu sein wie das Internet, mit dem Plus an Service.
  • Die Vorteile wären Schnelligkeit, Zeitersparnis, Arbeitsvereinfachung.
  • Mehrumsatz für beide Seiten wäre garantiert, allerdings auch mehr Restanten auf den Flächen Für dieses Problem sollte es e1ne lockere Retouren-Regelung geben, ein Entgegenkommen aller Lieferanten. Beispielsweise die Möglichkeit. Kundenbestellungen binnen 14 Tagen ohne Abzug zu retournieren.
  • Naturlich gilt es, auch das Problem von Versandkosten und Bearbeitungsgebühren zu lösen.

Insgesamt gibt es einige Felder, auf denen die Zusammenarbeit zwischen lndustrie und Handel intensiviert werden kann.